Venustransit - Erläuterungen



Am Dienstag, den 8. Juni 2004, fand erstmals seit 1882 ein sogenannter Venustransit oder auch Venusdurchgang statt. Dieses offenbar sehr seltene Naturereignis konnte von Deutschland aus nicht nur prinzipiell, sondern wegen bester Wetterbedingungen, zumindest in Bonn, auch tatsächlich in seiner gesamten Länge beobachtet werden. Dabei schob sich die Venus zwischen Sonne und Erde und verfinsterte einen kleinen Teil der Sonnenoberfläche. Im Prinzip handelte es sich also um eine Sonnenfinsternis im Kleinen mit dem Unterschied, dass nicht der Mond sondern die Venus den freien Blick auf die Sonne verhinderte. Die Venus selbst, die als Abend- oder Morgenstern nach Sonne und Mond sogar der dritthellste Himmelskörper überhaupt ist, konnte man während des Transits nur als schwarzen Fleck vor der Sonne sehen. Dies ist logisch, denn die helle Tagseite der Venus zeigte ja zur Sonne, wir blickten auf ihre dunkle Nachtseite. Leider waren zur Zeit des Transits keine größeren Sonnenflecken zu sehen, sonst hätte man wohl beobachten können, dass diese bei weitem nicht so tief schwarz sind, wie die Venus vor der Sonne.

Venustransit (Montage)
Montage aus 11 Einzelbelichtungen.

Wieso bedeckt die Venus nur so wenig von der Sonne?
Die Venus ist schließlich mit einem Durchmesser von 12100 km viel größer als der Mond mit "nur" 3476 km Durchmesser und sollte doch eigentlich die Sonne wirkungsvoller abdecken als der Mond. Der Grund ist der, dass die Venus viel weiter von der Erde entfernt ist als der Mond. Je weiter ein Gegenstand entfernt ist, desto kleiner erscheint er natürlich. Hält man eine Euro-Münze mit ausgestrecktem Arm vor sich, so kann man sehen, dass sie einen kleinen Teil der dahinter liegenden Wand überdeckt, wenn man mit einem Auge darauf schaut. Hält man jedoch eine kleinere 1-Cent-Münze nur wenige Zentimeter vor dieses Auge, so "verfinstert" die Cent-Münze trotzdem einen viel größeren Teil der Wand als der Euro.
Auch der Abstand zwischen Erde und Mond schwankt zwischen 365400 km und 406700 km. Kommt es bei großer Entfernung zu einer Sonnenfinsternis, so kann auch der Mond die Sonne nicht mehr vollständig verfinstern. Wie beim Venustransit bleibt der Rand der "Sonnenscheibe" sichtbar - man spricht von einer ringförmigen Sonnenfinsternis.
Da der Mars weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, kann er sich natürlich nicht wie die Venus zwischen Erde und Sonne schieben. Einen Marstransit gibt es also niemals. Andererseits könnte man vom Mars aus einen "Erdtransit" beobachten.
Merkur als innerer Planet kann wiederum zwischen Erde und Sonne gelangen. Zuletzt geschah dies am 7. Mai 2003. Auch dieser Merkurtransit war von Deutschland aus beobachtbar. Da Merkur jedoch noch weiter von der Erde entfernt ist als Venus und zusätzlich einen kleineren Durchmesser besitzt, verdeckte Merkur noch weniger von der Sonne als Venus. So wenig, dass er mit bloßem Auge nicht als Fleck vor der Sonne sichtbar war. Die kleine Computersimulation (keine Fotomontage!) des Merkurtransits von 2003 vermittelt einen Eindruck dieser Größe. (Merkur wurde an diesem Tag sogar häufig mit einem ebenfalls sichtbaren großen Sonnenfleck verwechselt.)

Merkurtransit
Merkurtransit vom 7.5.03
(hergestellt mit RedShift 1)

Ausführliche Erläuterungen zum Venustransit gibt es hier: venus-transit.de.

Informationen zu aktuellen astronomischen Ereignissen gibt es bei der Volkssternwarte Bonn.


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